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Flucht aus Brasilien — ein Briefwechsel

 

Rom, 22.05.2009

Hallo Herr Rau!

Gott sei Dank gelang es mir, aus dem Vatikan zu flüchten. Als der Papst auf Tournee nach Nahost ging, war im Petersdom natürlich Halligalli angesagt, das habe ich ausgenutzt. Während einer Feier mit Wein, Weib und Gesang, bei der ich als Messdiener missbraucht wurde, habe ich mich mit einer geklauten Soutane aus dem Staub machen können. Doch während ich durch die Straßen Roms schlich, merkte ich nicht, wie ich aus Versehen an die Spitze einer Prozession geriet. Die Gemeinde folgte mir, wie eine Gruppe Touristen am Fontana di Trevi Brunnen dem Reiseleiter folgen. Um nicht aufzufallen führte ich meine Schäfchen in die nächste Kirche und hielt eine Messe auf Latein ab. Leider sind meine Lateinkenntnisse noch schlechter als meine Deutschkenntnisse; genauer gesagt, stammen meine Lateinkenntnisse ausschließlich aus Asterix-Heften. So muss ich irgendwie Bullshit gepredigt haben. Jedenfalls gab es plötzlich eine tierische Unruhe unter den Schafen, einige rannten sogar laut blökend aus der Kirche. Bin denn schnell gegangen, doch an einer Ecke holte mich der Organist völlig aufgeregt ein. Er wollte von mir wissen, ob der Papst und seine Geliebte bereits Namen für die Drillinge hätten. Mein Gott, was habe ich angerichtet?

Ihr Stephan Sarek

P.S.: Gibt es ein Land, das nicht an den Vatikan ausliefert?

 

 

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