Paradoxe Erzählungen

»Selmas Schweigen« ist aufgeteilt in 15 Erzählungen, nimmt den Leser mit ins Hochgebirge, das sich nach näherer Betrachtung als doch nicht ganz so hoch entpuppt, zeigt auf, wie wichtig ein gut funktionierendes Management bei einer Geburt ist, weiht ein in die Geheimnisse von Männerfreundschaften, in die Freie Marktwirtschaft und den Umgang mit Ameisen. Es erklärt, was zu tun ist, wenn nachts der Tod an die Tür klopft oder die Bundeswehr den altersschwachen Hund einziehen will. Er beweist, daß Ängste vor Operationen durchaus berechtigt sind, geht der Frage nach, wie man einen Kommunisten in den Führer verwandelt und warnt davor, bei Staatsempfängen alles zu essen, was auf den Tisch kommt. Nebenbei läßt er noch die komplette Regierung verschwinden und wendet die Pisa-Studie bei Akademikern an. Was Selma schließlich zum Schweigen veranlaßt und wie sie ihren Nutzen daraus zieht, erfährt der Leser in der Titelgeschichte.

Stephan Sarek erblickte 1957 das Licht der Welt in einem Kellerverschlag in Berlin-Schöneberg. Bei aller Liebe zu seinen Mitmenschen hat er sich eine naive Boshaftigkeit bewahrt, die er im Kampf um ein besseres Mißverständnis untereinander einsetzt. Das Paradoxe der zwischenmenschlichen Begegnungen in seinen Erzählungen aber weist den Leser auf eine gewisse höhere Wahrheit hin, die ihn schmunzeln und staunen läßt.

Lesenswert! Stephan Sarek ist wach, belesen, gebildet. Und so schreibt er auch. Egal, ob es sich um eine wahnwitzige Agentenstory aus dem geteilten Berlin dreht, die Wahrheit über die Leipziger Montagsdemos oder um jenen Pförtner, der ständig Parallelen zwischen seiner eigenen Arbeit und Rommels Afrika-Corps sieht ... Witzig. Ironisch. Kritisch.
tip, Berlin Magazin

 
 
Stephan Sarek
Selmas Schweigen
Erzählungen, 192 Seiten
Paperback
Euro 9,90
ISBN 3-931476-64-2
pfeilgelbkaufen